Dao

Lan Yu ist eine kleine Vulkaninsel vor der südöstlichen Küste Taiwans. Sie ist Heimat der Tau, eines der als ethnische Minderheit anerkannten indigenen Völker Taiwans, die neben der Fischerei vom Bewirten ihrer Felder leben. Durch den unmittelbaren Bezug zum Meer und das Fischen wird dem „Dadala“ (Fischerboot) seitens der Insulaner:innen eine besondere Bedeutung zugeschrieben. Das Volk der Tau hat sich einen Großteil ihres kulturellen Erbes erhalten.

Auch diese Medaille hat ihre Kehrseite: Im Jahr 1974 wurde von der Atomenergiebehörde der Republik China ein Gebiet an der Südspitze der Insel als „vorübergehendes“ Lager für radioaktiven Abfall ausgewählt. Mittlerweile lagern in 23 Betongruben, und zwar ohne Genehmigung, über 4.800 Tonnen atomarer Müll.

Auch wenn ich nur kurzzeitig Teil der Tau war, frage ich mich, wie es für ein in Einklang mit der Natur lebendes Volk überhaupt möglich ist, direkt neben einer radioaktiven Müllhalde zu leben. „Dao“ beschreibt im westlich-philosophischen Kontext ein ewiges Wirk- oder Schöpfungsprinzip, verantwortlich für den Ursprung der Einheit und Dualität.

Click here for English version